Lehrer: Idole mit Doppelmoral?
Ohne Frage erfüllen wir Lehrerinnen und Lehrer eine gesellschaftliche Vorbildfunktion. Wer im Glashaus sitzt, kann nicht mit Steinen werfen - die moralischen Ansprüche an Pädagogen sind nicht ohne Grund hoch.
Was Unterrichtsmedien angeht, leben Kollegen in einer rechtlichen Grauzone: Didaktische Überlegungen führen dazu, dass legal erworbene Schulbücher für die individuelle Lerngruppe überarbeitet und angepasst werden müssen: Es wird kopiert, zusammengeklebt, aus alten Büchern ergänzt, Texte werden umgeschrieben, dem Wortschatz von RTL und SAT1 angepasst.
Im Zeitalter der Datentechnik tritt Software vermehrt an die Stelle von Büchern. In gewohnter Manier kopieren Kollegen weiter benötigte Materialien für den Eigengebrauch. Kann man von einem Pädagogen, der im Dienste der Gesellschaft steht, erwarten, hunderte Euronen für Software auszugeben? Schon verteilen gutmütige Kollegen das benötigte Material großzügig an die Klasse. Vorsicht Falle: Es handelt sich um Schwarzkopien!
Wie können wir Lehrer von unseren Schülern Gesetzestreue verlangen, wenn wir selbst entscheiden, welche Gesetze zu beachten sind? Um derartige Konfliktsituationen zu vermeiden, müssen wir rigoros auf freie Software setzen. Mehr noch: Wir sollten uns dafür einsetzen, dass die Unterrichtsmaterialien, die Nacht für Nacht im Schein vieler Schreibtischlampen entsteht, allgemein nutzbar wird und auch verbessert werden darf.
